

Liebe Susi,
liebe Trauerfamilie,
liebe Freundinnen und Freunde,
Wir sind zusammengekommen, um Abschied zu nehmen von Peter Baer, der uns am 5. August 2025 verlassen hat. Es ist mir eine Ehre, zu euch sprechen zu dürfen. Die Schwere der Aufgabe ist mir dabei bewusst. Der Ausnahme-Erscheinung des Menschen wie des Künstlers Peter Baer gerecht zu werden, ist nicht einfach.
Weggefährten waren wir seit vielen Jahren. Uns verbanden Gemeinsamkeiten, allen voran unsere Leidenschaft für die Kunst, die Malerei im Besonderen.
Meine frühen dunklen, in Öl gemalten, grossen Action Painting Bilder hatten den wenig jüngeren Peter offenbar beeindruckt, wie er auch später mir gegenüber oft erwähnte. Bald konnte ich ihm das Lob zurückgeben mit meiner Bewunderung für seine schwarzen Bilder zuerst, für viele farbige danach, für seine Porträts, seine Triptychen zuletzt, die er in einer wunderbaren Ausstellung alle versammelt hatte. Schriftlich gratulierte ich ihm zu der grossartigen Leistung.
Wir waren Skorpione beide, wir hatten auf der Post Nachtarbeit geleistet, wir teilten viele Interessen, hatten unsere Arbeitsstätten lange Jahre im gleichen Haus. Das führte zu Begegnungen. Man verfolgte die Arbeit des anderen. Man kam sich einmal näher, war dann wieder weiter voneinander entfernt, wie es in Freundschaften, in allen menschlichen Beziehungen so geht.
Dazu kam, dass Peter zusammen mit Susi viele Reisen unternahm. Sie führten ihn an die Orte, denen seine leidenschaftliche Neugier galt. Spirituelles zog ihn an, Religionen beschäftigten ihn.
Das schlug sich in seiner Malerei nieder. Er war, wenn ich darüber nachdenke,
keineswegs ein sogenannter Basler Maler, auch wenn sein Lebensmittelpunkt hier in dieser Stadt, im Kleinbasel zumal, geblieben war. Themen seiner Malerei waren die Regungen der menschlichen Seele, das Streben nach Höherem, die Beziehung der Geschlechter zueinander, seine eigenen Ängste auch. So war seine Kunst also absolut existenziell, durch und durch weltmännisch und doch ganz und gar auf ihn zugeschnitten, nur aus seinem innersten Wesen heraus zu verstehen.
Es gibt in seiner Malerei immer wiederkehrende Sujets, ja eigentliche Obsessionen. Sie kreisten um Figuren, mit denen Peter sich identifizierte zum Teil, die er aber auch fürchtete. Sein Seelenhaushalt war äusserst sensibel und wurde, wie wir wissen, gerade in früheren Jahren von oft heftigen Attacken geschüttelt. Wie wichtig und stabilisierend wirkte aber die stets unterstützende Liebe seiner Frau Susi Moser.
Ihr verdankte er viel, die Festigung seiner oft disparaten Art ist auch ihr Verdienst.
So schuf Peter Baer schliesslich während Jahren ein unfassbar umfangreiches Werk. In fast manisch anmutender Arbeitswut musste er seinen Visionen Gestalt geben in vielen Bildern, in kleinen wie in sehr grossen. Er war wie alle Maler ein einsamer Arbeiter, war aber auch ein sehr geselliger Mensch. Humor war ihm nicht fremd, und seinen Freunden hielt er Treue. Obwohl extrem zentriert auf seine ihm eigenen Gesichte, die Malerei werden mussten, hatte er doch einen sensiblen und interessierten Blick auf die Kunst anderer. Das galt für die Malerei der Meister, die er verehrte, wie auch für seine fördernde Teilnahme an der Arbeit der ihn umgebenden Zeitgenossen.
Von solchen Freundschaften, von solcher Leidenschaft zeugte sein langjährig bewohntes Atelier in der Kaserne. Eine Wohnhöhle sozusagen, kein Fleck an den Wänden blieb frei, alles war bestückt mit erworbenen Werken oder Geschenken von Freunden. Bilder, Fotos, Zeitungsausschnitte führten hinein ins Universum Peters.
Gekrönt aber war alles durch die von ihm selber gemalten Bilder bei der Stirnwand.
Begegnete ich dann und wann Peter in seiner schwarzen Lederjacke auf einem Gang der Kaserne, begrüsste er mich von weitem mit breitem Lachen. «Bechern»! rief er mir zu, «Peterchen»! antwortete ich ihm. Nach kurzem Gerede konnte er in sein Atelier zu einem «Teeli» einladen. Dabei war eine gewisse Vorsicht geboten bei Annahme oder Ablehnung der Aufforderung. Es war nämlich zwingend, genügend Zeit einzuplanen für einen Besuch. Peter liebte es nicht, wenn man ihm diese Zeit nicht gab.
Ich vermute, viele von euch kannten das nun folgende Ritual, das sowohl lehrreich wie vergnüglich war. Peter, der bis spät in die Nacht hinein allein an seinen Bildern arbeitete, brauchte doch auch Zuspruch und Echo von anderen, meist ihm vertrauten Personen. War es ein Widerspruch? Ich glaube, die beiden Seiten gehörten zusammen, bildeten seine Art zu denken und zu leben. Wenn er dann im Atelier seine Bilder den Besuchern vorführte, zeigte er gerne eines der letzten Bilder. Er sei noch nicht restlos zufrieden, es fehle noch etwas, erklärte er. Wie wir denn das Bild fänden. Wir fanden es gut. Vielleicht eine Stelle könnte besser werden. Darauf hatte Peter nur gewartet. Er schritt, die selbstgedrehte Zigarette im Mund, nach vorn zum Bild, tauchte einen Pinsel in den Kessel mit weisser Farbe meistens, und führte vor unseren Augen eine sogenannte «Korrektur» aus, was schnell geschah. Dann wandte er sich uns zu und sagte mit Triumph in der Stimme: «Jetzt haut er en, jetzt wird er kosmisch»! Beim ultimativen Akt der Vollendung einer Malerei waren Zeugen Peter willkommen.
Zum Kosmos hatte Peter viel Beziehung, viel Neigung. Da konnte er dem allzu Alltäglichen entkommen und Figuren erfinden ganz nach seinem Empfinden.
Die immer wiederkehrenden, abgewandelten Sujets seiner Malerei, der Wagenlenker, der Stierkämpfer, der Masshalter, Pferde auch, der oder die Liegende auf einem riesigen Tisch, ein Stuhl und anderes mehr wirkten oft dämonisch und wie nicht von dieser Welt, Angst einflössend auch oder Angst bannend.
In schwarzen Räumen wohnten böse Götter. Filigrane Körper erschienen wie Teile von Spinngeweben. Auch sie mussten sich in der alles verschlingenden Schwärze behaupten. Daneben gab es auch die grosse Zahl der sehr farbigen Bilder. Farbige Flächen erschienen wie Geröll in Bewegung, in einem Geschiebe, oder wie flüssige Magma, aus Vulkanen emporgeschleudert. Beim Zusammenstoss der Massen entstanden Figuren, Gesichter, Tiere. Ein Kennzeichen dieser Bilder war die Dynamik, die in fast allen Arbeiten Peters vorherrscht. Seine Signatur, das schräg nach oben rechts strebende BAER, scheint wie der Endpunkt einer umfassenden Dynamik. Etwas trieb diesen Maler Peter an, stiess ihn vorwärts, hielt ihn wach und am Leben. Dabei bewegte sich seine Malerei stets zwischen Figuration und Abstraktion.
Er verschmähte es nicht, Porträts anzufertigen, aus eigenem Antrieb oder als Auftrag. Den Modellen wurde nicht geschmeichelt. Aber ein Teil ihres Wesens wurde bestimmt sichtbar. Peter hat sich zu diesem Thema persönlich geäussert.
Peters Analysen der Weltereignisse wie der Kunst waren geprägt durch einen wundersamen psychologischen Tiefenblick. An seinen eigenen seelischen Leiden geschult, besass er eine Feinheit, ein Sensorium, das seinesgleichen suchte.
So besass er Verständnis für viele Dinge dieser Welt. Wovon auch seine Freunde profitierten. Und er konnte ein wunderbar herzlicher, grosszügiger Gastgeber sein.
Von Zeit zu Zeit, in gebührenden Abständen, kam eine Einladung an Hans Remond, der wie ich mit Peter auf der Post gearbeitet hatte, an Franziska Statkus und an mich, zu einem Essen bei Peter und Susi an der Oetlingerstrasse.
Angesagt war der berühmte Kartoffelstock Peters aus von ihm selbst gestampften Kartoffeln, dazu eine Fleischspeise von Susi, das Vegetarische für Hans war dabei.
Wir hatten schöne Gespräche in der gemütlichen Wohnung, bewunderten die exquisite Sammlung von Bildern. Dann ging es über Hinterhof und Garten hinüber ins zweite Atelier, zu dem man eine Treppe hochsteigen musste. Eingezwängt zwischen vielen Bildern sassen wir auf getrennten Stühlen und liessen uns von Peter die grossen Triptychen zeigen, die er wie ein Tänzer vorführte. Was für schöne Abende, nichts trübte das Wohlsein, man denkt gerne an diese Zeiten zurück. Susi und Peter sei Dank!
Es konnte vorkommen, dass an meine Ateliertür geklopft wurde. Peter stand davor. Ich liess ihn eintreten und stellte ihm ein neues, grosses farbiges Bild vor die Wand, die Paraphrase eines Renaissancebildes. Er musterte es eine Weile und sagte dann: «Hesch e Bapier»? Mit dem Zeitungsausriss formte er sorgfältig ein längliches Rechteck, das er leicht befeuchtete, Dann schritt er nach vorne, blieb vor dem Bild stehen und applizierte nach einer letzten kurzen Prüfung das Papier selbstgewiss an
den äussersten Rand im oberen Drittel des Bildes. «Sehsch es»? Ich sah es. Sagte ihm, ich würde es ein paar Tage da hängenlassen und dann über den endgültigen Verbleib entscheiden. Wir trennten uns in grosser Zufriedenheit. Ich erinnerte mich an die vielen kleinen Farbschnipsel, die er seit einiger Zeit an den Rändern seiner Bilder, oben, unten und seitlich, zu befestigen pflegte. Ein Mittel, Gewichte zu tarieren.
Ein andermal überraschte mich Peter total. Er war immer ein Meister in der Kunst des Zitierens gewesen, in der wir gerne wetteiferten. Nun erfuhr ich, dass nicht nur ich das letzte Bass-Rezitativ in der Matthäuspassion ganz besonders schätzte. Begeistert sagten und sangen wir uns den Text vor, so gut es ging. Die Musik war in unseren Herzen. Wie erbebte man früher innerlich, wenn vor den Fensterscheiben des Münsters der Abend fiel und passend dazu die wunderbar milde Bassstimme einsetzte über einer Musik, die wie das linde Wehen eines Abendwindes war.
Am Abend, da es kühle war,
Ward Adams Fallen offenbar.
Am Abend drücket ihn der Heiland nieder
Am Abend kam die Taube wieder
Und trug ein Ölblatt in dem Munde.
O schöne Zeit! O Abendstunde!
liebe Trauerfamilie,
liebe Freundinnen und Freunde,
Wir sind zusammengekommen, um Abschied zu nehmen von Peter Baer, der uns am 5. August 2025 verlassen hat. Es ist mir eine Ehre, zu euch sprechen zu dürfen. Die Schwere der Aufgabe ist mir dabei bewusst. Der Ausnahme-Erscheinung des Menschen wie des Künstlers Peter Baer gerecht zu werden, ist nicht einfach.
Weggefährten waren wir seit vielen Jahren. Uns verbanden Gemeinsamkeiten, allen voran unsere Leidenschaft für die Kunst, die Malerei im Besonderen.
Meine frühen dunklen, in Öl gemalten, grossen Action Painting Bilder hatten den wenig jüngeren Peter offenbar beeindruckt, wie er auch später mir gegenüber oft erwähnte. Bald konnte ich ihm das Lob zurückgeben mit meiner Bewunderung für seine schwarzen Bilder zuerst, für viele farbige danach, für seine Porträts, seine Triptychen zuletzt, die er in einer wunderbaren Ausstellung alle versammelt hatte. Schriftlich gratulierte ich ihm zu der grossartigen Leistung.
Wir waren Skorpione beide, wir hatten auf der Post Nachtarbeit geleistet, wir teilten viele Interessen, hatten unsere Arbeitsstätten lange Jahre im gleichen Haus. Das führte zu Begegnungen. Man verfolgte die Arbeit des anderen. Man kam sich einmal näher, war dann wieder weiter voneinander entfernt, wie es in Freundschaften, in allen menschlichen Beziehungen so geht.
Dazu kam, dass Peter zusammen mit Susi viele Reisen unternahm. Sie führten ihn an die Orte, denen seine leidenschaftliche Neugier galt. Spirituelles zog ihn an, Religionen beschäftigten ihn.
Das schlug sich in seiner Malerei nieder. Er war, wenn ich darüber nachdenke,
keineswegs ein sogenannter Basler Maler, auch wenn sein Lebensmittelpunkt hier in dieser Stadt, im Kleinbasel zumal, geblieben war. Themen seiner Malerei waren die Regungen der menschlichen Seele, das Streben nach Höherem, die Beziehung der Geschlechter zueinander, seine eigenen Ängste auch. So war seine Kunst also absolut existenziell, durch und durch weltmännisch und doch ganz und gar auf ihn zugeschnitten, nur aus seinem innersten Wesen heraus zu verstehen.
Es gibt in seiner Malerei immer wiederkehrende Sujets, ja eigentliche Obsessionen. Sie kreisten um Figuren, mit denen Peter sich identifizierte zum Teil, die er aber auch fürchtete. Sein Seelenhaushalt war äusserst sensibel und wurde, wie wir wissen, gerade in früheren Jahren von oft heftigen Attacken geschüttelt. Wie wichtig und stabilisierend wirkte aber die stets unterstützende Liebe seiner Frau Susi Moser.
Ihr verdankte er viel, die Festigung seiner oft disparaten Art ist auch ihr Verdienst.
So schuf Peter Baer schliesslich während Jahren ein unfassbar umfangreiches Werk. In fast manisch anmutender Arbeitswut musste er seinen Visionen Gestalt geben in vielen Bildern, in kleinen wie in sehr grossen. Er war wie alle Maler ein einsamer Arbeiter, war aber auch ein sehr geselliger Mensch. Humor war ihm nicht fremd, und seinen Freunden hielt er Treue. Obwohl extrem zentriert auf seine ihm eigenen Gesichte, die Malerei werden mussten, hatte er doch einen sensiblen und interessierten Blick auf die Kunst anderer. Das galt für die Malerei der Meister, die er verehrte, wie auch für seine fördernde Teilnahme an der Arbeit der ihn umgebenden Zeitgenossen.
Von solchen Freundschaften, von solcher Leidenschaft zeugte sein langjährig bewohntes Atelier in der Kaserne. Eine Wohnhöhle sozusagen, kein Fleck an den Wänden blieb frei, alles war bestückt mit erworbenen Werken oder Geschenken von Freunden. Bilder, Fotos, Zeitungsausschnitte führten hinein ins Universum Peters.
Gekrönt aber war alles durch die von ihm selber gemalten Bilder bei der Stirnwand.
Begegnete ich dann und wann Peter in seiner schwarzen Lederjacke auf einem Gang der Kaserne, begrüsste er mich von weitem mit breitem Lachen. «Bechern»! rief er mir zu, «Peterchen»! antwortete ich ihm. Nach kurzem Gerede konnte er in sein Atelier zu einem «Teeli» einladen. Dabei war eine gewisse Vorsicht geboten bei Annahme oder Ablehnung der Aufforderung. Es war nämlich zwingend, genügend Zeit einzuplanen für einen Besuch. Peter liebte es nicht, wenn man ihm diese Zeit nicht gab.
Ich vermute, viele von euch kannten das nun folgende Ritual, das sowohl lehrreich wie vergnüglich war. Peter, der bis spät in die Nacht hinein allein an seinen Bildern arbeitete, brauchte doch auch Zuspruch und Echo von anderen, meist ihm vertrauten Personen. War es ein Widerspruch? Ich glaube, die beiden Seiten gehörten zusammen, bildeten seine Art zu denken und zu leben. Wenn er dann im Atelier seine Bilder den Besuchern vorführte, zeigte er gerne eines der letzten Bilder. Er sei noch nicht restlos zufrieden, es fehle noch etwas, erklärte er. Wie wir denn das Bild fänden. Wir fanden es gut. Vielleicht eine Stelle könnte besser werden. Darauf hatte Peter nur gewartet. Er schritt, die selbstgedrehte Zigarette im Mund, nach vorn zum Bild, tauchte einen Pinsel in den Kessel mit weisser Farbe meistens, und führte vor unseren Augen eine sogenannte «Korrektur» aus, was schnell geschah. Dann wandte er sich uns zu und sagte mit Triumph in der Stimme: «Jetzt haut er en, jetzt wird er kosmisch»! Beim ultimativen Akt der Vollendung einer Malerei waren Zeugen Peter willkommen.
Zum Kosmos hatte Peter viel Beziehung, viel Neigung. Da konnte er dem allzu Alltäglichen entkommen und Figuren erfinden ganz nach seinem Empfinden.
Die immer wiederkehrenden, abgewandelten Sujets seiner Malerei, der Wagenlenker, der Stierkämpfer, der Masshalter, Pferde auch, der oder die Liegende auf einem riesigen Tisch, ein Stuhl und anderes mehr wirkten oft dämonisch und wie nicht von dieser Welt, Angst einflössend auch oder Angst bannend.
In schwarzen Räumen wohnten böse Götter. Filigrane Körper erschienen wie Teile von Spinngeweben. Auch sie mussten sich in der alles verschlingenden Schwärze behaupten. Daneben gab es auch die grosse Zahl der sehr farbigen Bilder. Farbige Flächen erschienen wie Geröll in Bewegung, in einem Geschiebe, oder wie flüssige Magma, aus Vulkanen emporgeschleudert. Beim Zusammenstoss der Massen entstanden Figuren, Gesichter, Tiere. Ein Kennzeichen dieser Bilder war die Dynamik, die in fast allen Arbeiten Peters vorherrscht. Seine Signatur, das schräg nach oben rechts strebende BAER, scheint wie der Endpunkt einer umfassenden Dynamik. Etwas trieb diesen Maler Peter an, stiess ihn vorwärts, hielt ihn wach und am Leben. Dabei bewegte sich seine Malerei stets zwischen Figuration und Abstraktion.
Er verschmähte es nicht, Porträts anzufertigen, aus eigenem Antrieb oder als Auftrag. Den Modellen wurde nicht geschmeichelt. Aber ein Teil ihres Wesens wurde bestimmt sichtbar. Peter hat sich zu diesem Thema persönlich geäussert.
Peters Analysen der Weltereignisse wie der Kunst waren geprägt durch einen wundersamen psychologischen Tiefenblick. An seinen eigenen seelischen Leiden geschult, besass er eine Feinheit, ein Sensorium, das seinesgleichen suchte.
So besass er Verständnis für viele Dinge dieser Welt. Wovon auch seine Freunde profitierten. Und er konnte ein wunderbar herzlicher, grosszügiger Gastgeber sein.
Von Zeit zu Zeit, in gebührenden Abständen, kam eine Einladung an Hans Remond, der wie ich mit Peter auf der Post gearbeitet hatte, an Franziska Statkus und an mich, zu einem Essen bei Peter und Susi an der Oetlingerstrasse.
Angesagt war der berühmte Kartoffelstock Peters aus von ihm selbst gestampften Kartoffeln, dazu eine Fleischspeise von Susi, das Vegetarische für Hans war dabei.
Wir hatten schöne Gespräche in der gemütlichen Wohnung, bewunderten die exquisite Sammlung von Bildern. Dann ging es über Hinterhof und Garten hinüber ins zweite Atelier, zu dem man eine Treppe hochsteigen musste. Eingezwängt zwischen vielen Bildern sassen wir auf getrennten Stühlen und liessen uns von Peter die grossen Triptychen zeigen, die er wie ein Tänzer vorführte. Was für schöne Abende, nichts trübte das Wohlsein, man denkt gerne an diese Zeiten zurück. Susi und Peter sei Dank!
Es konnte vorkommen, dass an meine Ateliertür geklopft wurde. Peter stand davor. Ich liess ihn eintreten und stellte ihm ein neues, grosses farbiges Bild vor die Wand, die Paraphrase eines Renaissancebildes. Er musterte es eine Weile und sagte dann: «Hesch e Bapier»? Mit dem Zeitungsausriss formte er sorgfältig ein längliches Rechteck, das er leicht befeuchtete, Dann schritt er nach vorne, blieb vor dem Bild stehen und applizierte nach einer letzten kurzen Prüfung das Papier selbstgewiss an
den äussersten Rand im oberen Drittel des Bildes. «Sehsch es»? Ich sah es. Sagte ihm, ich würde es ein paar Tage da hängenlassen und dann über den endgültigen Verbleib entscheiden. Wir trennten uns in grosser Zufriedenheit. Ich erinnerte mich an die vielen kleinen Farbschnipsel, die er seit einiger Zeit an den Rändern seiner Bilder, oben, unten und seitlich, zu befestigen pflegte. Ein Mittel, Gewichte zu tarieren.
Ein andermal überraschte mich Peter total. Er war immer ein Meister in der Kunst des Zitierens gewesen, in der wir gerne wetteiferten. Nun erfuhr ich, dass nicht nur ich das letzte Bass-Rezitativ in der Matthäuspassion ganz besonders schätzte. Begeistert sagten und sangen wir uns den Text vor, so gut es ging. Die Musik war in unseren Herzen. Wie erbebte man früher innerlich, wenn vor den Fensterscheiben des Münsters der Abend fiel und passend dazu die wunderbar milde Bassstimme einsetzte über einer Musik, die wie das linde Wehen eines Abendwindes war.
Am Abend, da es kühle war,
Ward Adams Fallen offenbar.
Am Abend drücket ihn der Heiland nieder
Am Abend kam die Taube wieder
Und trug ein Ölblatt in dem Munde.
O schöne Zeit! O Abendstunde!
Ausstellung Gallerie hartdstrasse in Basel
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Ausstellung Birsfelder Museum
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Zeitungsbericht im Birsfälder.li!








2013 arbeit Peter Baer an neuen Triptychen!

Ausstellung in der Galerie Daniel Meier, Leimenstrasse 57, 4051 Basel. Besichtigung nach telefonischer Voranmeldung, 061 272 97 10.</